Nothing starts as a Story. Everything ends woven.
Wie aus einer ersten Notiz ein gewobenes Stück Projekt wird — und wo LOOM dabei passt, wo nicht, und wo es noch nicht passt.
Ein Projektmanagement-Tool für kleine Teams, die noch dabei sind, sich zu finden.
LOOM ist ein Projektmanagement-Tool für kleine Gruppen — typischerweise 3 bis 5 Personen, die zum ersten Mal ein größeres Projekt zusammen durchziehen. Diplomarbeiten, Abschlussprojekte, Studierenden-Forschung. Teams, die noch nicht eingespielt sind. Teams, die noch nicht wissen, wie sie miteinander arbeiten sollen, weil sie es noch nie mussten.
Solche Teams brauchen mehr als nur eine To-Do-Liste. Sie brauchen strukturierte Reflexion: einen Rhythmus, der ihnen hilft, ihre Entscheidungen zu dokumentieren, ihre Stories sinnvoll zu schneiden, und Reibungspunkte rechtzeitig sichtbar zu machen. LOOM ist dafür gebaut. Plus: LOOM hat KI-Unterstützung an den Stellen, wo sie wirklich hilft — beim Story-Schneiden im Casting, beim Comment-Verdichten, beim Loomback-Rückblick. Du musst nicht alles selbst machen. Du musst nur lernen, was du der KI mitgeben sollst, und was du selbst entscheiden musst.
LOOM ist kein neu erfundenes Framework. Es ist eine bewusste Mischung: der Takt von Scrum — feste Rituale, ein verlässlicher Rhythmus — trifft den kontinuierlichen Fluss von Kanban, in dem Stories durch Lanes wandern, ohne Sprint-Commitment. Beides haben wir auf ein anfänger-freundliches Maß heruntergebrochen. Das ist keine Theorie vom Reißbrett, sondern die Konsequenz aus der Analyse von 14 Repos vergangener Diplomarbeiten und Anschlussprojekte: Das wiederkehrende Muster dort war nie der Code — es war die fehlende Struktur für Reflexion und Begründung.
Warum heißt es LOOM?
Ein Webstuhl webt Garn zu Stoff. Du fütterst ihn mit Fäden, gibst ihm einen Rhythmus, und am Ende hast du etwas, das Fäden allein nie hätten sein können — ein zusammenhängendes Gewebe. LOOM macht genau das mit deinen losen Ideen, Entscheidungen, Notizen und Code-Schnipseln: aus chaotischer Selbst-Disziplin wird strukturierte Reflexion.
Die Metapher hat aber noch eine zweite, historische Ebene — und die hebe ich mir fürs Schlusswort auf. Nur so viel vorab: Der Webstuhl hat einmal die Arbeit einer ganzen Epoche umgekrempelt. LOOM hat deutlich bescheidenere Ziele — aber dieselbe Grundidee, dass Rhythmus aus loser Mühe etwas Zusammenhängendes macht.
Die meisten DAs scheitern nicht am Code. Sie scheitern daran, dass das Team nach drei Monaten nicht mehr weiß, warum es Entscheidung X getroffen hat — und dann Entscheidung X gegen Entscheidung Y austauscht, die Entscheidung X widerspricht. LOOM zwingt dich, das Warum festzuhalten. Nicht als Doku-Pflicht. Als Selbst-Schutz.
Eine Story, die nicht gewoben wird, ist nur Faden auf dem Boden.
LOOM auf einen Blick — das Vokabular und die drei Schichten.
Bevor es in die Details geht, zwei Landkarten. Die erste übersetzt das LOOM-Wording in die Begriffe, die du vielleicht aus Scrum oder Kanban kennst — die Artefakte und Rituale stehen nebeneinander. Die zweite zeigt, wie die Teile zusammenhängen.
Dieselbe Idee, andere Namen
| LOOM | Scrum | Kanban | Was es ist |
|---|---|---|---|
| Cycle | Sprint | — (flow-basiert) | Zeit-Klammer 1–3 Wochen, kein Commitment-Vertrag |
| Casting | Sprint Planning | Replenishment | Cycle-Start: Flocks → Story-Kandidaten, KI-gestützt |
| Showcase | Sprint Review | Review / Demo | Demo vor Stakeholdern am Cycle-Ende |
| Loomback | Sprint Retrospective | Kaizen / Retro | Team-Reflexion, KI-vorbereitet → loomback-Beacon |
| Story | User Story / PBI | Card / Ticket | Die Arbeitseinheit |
| Flock | (grobe Backlog-Idee) | Input / Idee | Niedrigschwelligste Erfassung für alles — wird zu Story, Beacon oder Setup-Edit |
| Beacon | — | — | Project-Memory-Eintrag (Decision, Risk, Learning) — LOOM-eigen |
| Spinning | In Progress | In Progress / Doing | Story aktiv in Arbeit |
| Woven | Done | Done | Erledigt & gezeigt |
| Sticky Story | Spillover / Carryover | Aging WIP | Story, die rollt und "lauter" wird |
| Setup | (~Working Agreements / DoD) | — | Acht Kontext-Dialoge, lebende Wurzel |
LOOM nimmt den Takt von Scrum (feste Rituale, Rhythmus) und den kontinuierlichen Fluss von Kanban (Stories wandern durch Lanes, kein Sprint-Commitment) und bricht beides auf ein anfänger-freundliches Maß herunter. Der eigentliche Hebel ist aber die KI-Unterstützung in der Durchführung — beim Story-Schneiden im Casting, beim Verdichten von Comments, beim Loomback-Rückblick. LOOM funktioniert auch ohne das Tool, nur mit Markdown und Disziplin. Sinnvoll ist das aber kaum: Genau der stützende Teil — Dokumentation und Projekt-Gedächtnis — fällt dann auf mühsame Handarbeit zurück.
Drei Schichten, die parallel leben
LOOM ist kein Pfeil von links nach rechts, sondern drei Schichten, die gleichzeitig laufen und sich gegenseitig nähren:
- Setup
- Die Wurzel — acht Dialoge, die den Projekt-Kontext definieren. Lebt immer, ist nie "fertig". (§4)
- Cycle
- Die Arbeit — Stories laufen durch die Lanes, getaktet von Casting, Showcase und Loomback. (§5)
- Project Memory
- Das Gedächtnis — Flocks, Beacons und Comments sammeln sich hier und werden später per KI verdichtet. (§3)
Was im Cycle gelernt wird, justiert das Setup; jede Setup-Änderung wirft wieder einen Beacon ins Project Memory. Damit ist LOOM nicht linear, sondern rekursiv-lernend.
Vom Flock zum Woven — der Weg, den jede Idee geht.
Wenn dir mitten in der Arbeit etwas auffällt — eine Idee, ein Problem, eine Abhängigkeit — dann ist das ein Flock. Ein Flock ist die niedrigste Eintragsschwelle, die LOOM hat: ein paar Sätze in eine Markdown-Datei, fertig. Kein Schätzen, kein Owner, kein Akzeptanz-Kriterium. Das kommt später.
Beim nächsten Casting (das ist der Cycle-Start, dazu gleich mehr) werden Flocks gemeinsam mit dem Team gesichtet und zu Story-Vorschlägen verdichtet. Die Vorschläge landen in der Lane Candidates — das sind noch nicht beschlossene Stories, sondern Kandidatinnen. Erst wenn das Team sich einig ist und die Akzeptanz-Kriterien stehen, wandert eine Story in Backlog und wird mit ready: true markiert. Sobald jemand anfängt, daran zu arbeiten, geht sie zu Spinning.
Wenn die Story fertig ist, sagt der Owner: "Ich zeige sie beim nächsten Showcase." Sie geht in die Lane Showcase — die Pre-Demo-Halde. Beim Showcase-Termin (vor Coach und Stakeholdern) führt der Owner sie vor, die Akzeptanz-Kriterien werden abgehakt, und die Story wechselt nach Woven: gewoben, fertig, Teil des Stoffs.
Aber: nicht jede Story schafft es bis Woven. Manche werden gecuttet. Cut ist kein Versagen — Cut ist eine Entscheidung. Die Story ist außerhalb des Scopes geraten, ist obsolet geworden, oder das Goal hat sich geändert. Wenn du eine Story cuttest, musst du sagen warum (das ist der cut_reason). Das ist Disziplin: kein stilles Verschwinden.
Wenn dir etwas auffällt: ⌘⇧F drücken und Flock werfen. Drei Sätze, fertig. Nicht ausformulieren. Das machst du im nächsten Casting.
Wenn du mit einer KI an einer Story arbeitest (z.B. gemma4:12b lokal, oder Claude über die API), gib ihr den Setup-Auszug mit. Die KI weiß sonst nicht, dass dein Sensor in Norwegen testet oder dass Subsystem A von Subsystem B abhängt. Mit Setup-Kontext werden die Vorschläge plötzlich brauchbar.
Flocks, Beacons, Comments — drei Wege, etwas festzuhalten.
LOOM hat genau drei niedrigschwellige Erfassungs-Werkzeuge. Jedes hat einen klaren Zweck. Wenn du beim Werfen unsicher bist, hilft dir die Faustregel:
| Wenn du... | ...dann ist es ein | Hotkey |
|---|---|---|
| dir etwas auffällt — ein Feature, Problem, Lösungsansatz, Risiko oder eine Abhängigkeit | Flock | ⌘⇧F |
| eine getroffene Entscheidung oder Erkenntnis dokumentieren willst | Beacon | ⌘⇧B |
| eine Frage oder Diskussion zu einer offenen Story hast | Comment | auf der Story-Detail-View |
Flock — die zentrale Anlaufstelle für niederschwellige Erfassung
Flocks sind die niedrigste Eintragsschwelle, die LOOM hat: wirf einen, sobald dir etwas auffällt — ein Feature-Wunsch, ein erkanntes Problem, ein Lösungsansatz, ein Risiko, eine Abhängigkeit. Hinschreiben, fertig. Beim Werfen wählst du einen Typ: note · idea · risk · dependency · bug · feature (bug und feature tragen Casting-Priorität). Was daraus wird, entscheidet das Team beim Casting: ein Flock kann zu einer Story werden (der häufigste Fall), zu einem Beacon (z.B. ein erkanntes Risiko wandert ins Project Memory) oder direkt in einen Setup-Edit (wenn er ein Goal, einen Milestone oder ein Subsystem betrifft). Flocks bleiben im Vault: active bis zum Casting, dann promoted (verarbeitet) oder archived (bewusst verworfen). (Nur das Warum hinter einer schon getroffenen Entscheidung schreibst du nicht als Flock, sondern direkt als Beacon.)
Beacon — der Moment, an den du dich erinnern willst
Beacons sind das Project Memory deines Projekts — append-only: Einträge werden nicht weggeräumt, sie bleiben dauerhaft als Audit-Trail stehen. Sie werden automatisch geworfen, wenn du Setup-Felder editierst (mit Pflicht-Begründung). Plus: du kannst sie manuell werfen — wenn ein Telefonat eine Anforderung bringt, wenn ein Code-Review eine Architektur-Erkenntnis liefert, wenn ein Stakeholder eine Entscheidung fordert. Eine Entscheidung (decision) wird nicht nachträglich umgeschrieben; ändert sich die Lage, wird sie von einer neuen Entscheidung abgelöst (superseded), nicht gelöscht — der abgelöste Eintrag trägt dann einen Vorwärtsverweis (superseded_by) auf seinen Nachfolger, sodass beim Lesen sofort klar ist, welche Entscheidung jetzt gilt. So bleibt die kollektive Erinnerung intakt, die in vier Monaten erklärt, warum ihr X gewählt habt und nicht Y.
Vom losen Gedanken zum festen Eintrag. Ein Beacon lässt sich niederschwellig als note festhalten — freier Text, kein Formular, jederzeit änderbar. Die leichten Typen (note, risk, blocker, insight, dependency) bleiben frei editierbar — ein Arbeits-Notizbuch, das mit dem Gedanken wächst; eine note reift zu einem passenderen Subtyp, wenn klar wird, was sie ist. Erst wenn ein Gedanke zu einer decision wird und ratifiziert wird — oder ein Ritual versiegelt wird — friert der Text ein: ab da ist er Audit-Trail, und die jeweiligen Regeln (Ratifizierung bzw. Seal) greifen. (Der Freeze gilt dem Text; Tags und Beziehungen bleiben immer kuratierbar.)
Comment — die niederschwellige Story-Diskussion
Comments hängen an einer einzelnen Story. Wenn du beim Spinning auf etwas stößt, das das Team kennen sollte, hinterlässt du einen Comment. LOOM destilliert Comments später per KI in die Conversation-Sektion der Story — du musst nicht selbst zusammenfassen, das passiert für dich.
Weaving — Fäden zwischen den Einträgen ziehen
Flocks, Beacons und Stories sammeln sich — aber ihr Wert wächst, wenn sie vernetzt sind: welche Entscheidung hängt an welcher Story, welcher Flock führte zu welchem Insight. Im Detail-Drawer jedes Eintrags öffnet ein Weave-Mode einen Picker: Fäden ziehen (suchen + anhängen), lösen (Chip entfernen) — so leicht wie Labels setzen. Damit wird das Project Memory zum begehbaren Netz: „webt zu" / „gewebt von", dem Faden zum nächsten Eintrag folgen, und eine kleine Constellation zeichnet die Nachbarschaft. Aus einer Halde von Einträgen wird ein Gewebe, in dem man den roten Faden tatsächlich verfolgen kann.
Du wirst am Anfang vergessen zu werfen. Du wirst eine Idee haben, denken "das schreib ich gleich auf", und dann ist sie weg. Das ist normal. Der Hotkey ist genau deshalb global — er funktioniert aus jedem Programm. Übe ihn. Eine Woche, dann sitzt er.
Setup ist die Wurzel, die deinem Projekt Form gibt.
Bevor LOOM für dich arbeiten kann, musst du ihm sagen, wer du bist und was du baust. Das passiert im Setup — neun Dialoge, die du einmal durchläufst und danach pflegst. Setup ist nicht Bürokratie. Setup ist der Kontext, mit dem die KI später arbeitet.
- Dialog 1
- Team & Stack — wer ist dabei, welche Technologien
- Dialog 2
- Project Description — was bauen wir, für wen
- Dialog 3
- Subsystems — was hängt mit was zusammen
- Dialog 4
- Goals — Hauptziele (HZ), optionale Ziele (OZ), Nicht-Ziele (NZ)
- Dialog 5
- Milestones — bis wann ist welches Deliverable fällig (Zeit-Achse)
- Dialog 6
- Fallback Protocol — was tun, wenn jemand wegfällt
- Dialog 7
- Communication Rules — drei Regeln, jede mit Konsequenz
- Dialog 8
- Roadmap — welches Feature in welcher Version (Produkt-Achse)
- Dialog 9
- Good Practices — kuratierte Arbeitshaltungen (Disziplinen + Items), optional; „Load LOOM defaults" als Startpunkt, KI-Formulierhilfe je Disziplin
Milestones sind der zeitliche Trigger: welche Ziele bis wann erreicht sein sollen. Die Roadmap trägt den Produkt-Bezug: welches Feature seht ihr in welcher Version. Die beiden sind voneinander unabhängig — bis zu einem Milestone können durchaus mehrere Versionen liegen. Versionen lohnen sich für jedes Projekt, nicht nur für mehrphasige (z.B. V1 = MVP für die Defensio, V2 = was ihr danach noch wollt).
Wir haben 14 alte DA-Repos und Vor-DA-Abschlussprojekte analysiert (das älteste aus 2015 — formelle Diplomarbeiten mit Defensio gibt es erst seit 2015/16). Aus den 14 wurden die 8 interessantesten ausgewählt und in die da-lessons-Memos verarbeitet. Das wiederkehrende Muster: vier von acht sind nach 4-6 Cycles in der Doku-Disziplin eingebrochen — nicht weil die Schüler faul waren, sondern weil der Setup-Kontext fehlte. Goals waren in vier Versionen verstreut, Milestones nicht single-active, Subsystem-Abhängigkeiten nirgendwo dokumentiert. Wenn die KI später schwammige Antworten gibt, ist das Setup schuld, nicht die KI.
Setup ist nie fertig. Jede Änderung wirft einen Beacon mit Pflicht-Begründung. Damit ist das Setup nicht veraltete Vor-Doku, sondern lebende Wahrheit über dein Projekt.
Beim ersten Mal: alle neun Dialoge durchgehen (Good Practices ist optional). Plant 2-3 Stunden ein, das ist normal. Das Dashboard weist dich oben darauf hin, wenn noch etwas fehlt oder dünn ist — mit einem Klick direkt zum richtigen Dialog.
Cycle, Casting, Showcase, Loomback — der Takt deiner Arbeit.
LOOM arbeitet in Cycles. Ein Cycle ist eine Zeit-Klammer von etwa zwei Wochen. Anders als ein "Sprint" im Scrum-Sinn ist der Cycle kein Commitment-Vertrag ("wir versprechen, X bis Datum Y zu machen"). Der Cycle ist eine Klammer um drei Rituale: er beginnt mit Casting, endet mit Showcase und Loomback.
Casting, Showcase und Loomback sind geführte Rituale direkt in LOOM — du startest sie im Cycle-Menü. Dort liegt auch das wöchentliche Weekly und ein „Start cycle", mit dem ihr einen Cycle ohne Casting beginnt (z.B. eine Design-Runde). (Ein vollautomatisches Weiterrücken der Cycles ist noch nicht gebaut — ihr startet sie selbst.)
Gemeinsam am selben Board: Casting und Loomback macht ihr zu mehreren vor einem Schirm — dafür könnt ihr LOOM auch als Team-Server betreiben. Dann arbeitet das ganze Team im Browser am selben Board, jede:r mit eigenem Zugangsschlüssel, und ihr seht euch gegenseitig arbeiten, ohne neu zu laden. Wie ihr das aufsetzt, steht in der Team-Server-Anleitung.
Casting — der Cycle-Start
Beim Casting verdichtet ihr eure Flocks zu Stories. Das ist das längste und wichtigste Ritual — plant dafür Zeit ein. LOOM führt euch durch eine Vorbereitung und fünf Stages. Das Entscheidende daran: bis zum Schluss ist alles zurücknehmbar. Geschrieben wird erst in Stage 5. Ihr könnt also in Ruhe ausprobieren, umsortieren und eure Meinung ändern, ohne etwas kaputtzumachen — und ihr könnt zwischendurch aufhören und später weitermachen.
- Vorbereitung (Stage 0) — was liegt überhaupt an: Bevor die KI etwas tut, seht ihr euer Eingangs-Material: die Flocks seit dem letzten Casting, Stories die schon warten, euer Setup-Kontext. Fällt euch beim Hinsehen noch etwas ein, werft ihr hier direkt einen Flock nach.
- Stage 1 — Flock-Sichtung: Die KI gruppiert eure Flocks zu Themen und schlägt vor, zu welchem Ziel sie gehören. Ihr greift voll ein: umbenennen, Flocks verschieben, Gruppen zusammenlegen. Was ihr von Hand einsortiert, merkt sich die KI beim nächsten Durchlauf.
- Stage 2 — Story-Kandidaten: Die KI schlägt pro Thema ein bis zwei Stories vor. Jede Karte braucht eine Entscheidung von euch — annehmen, splitten, vertagen (mit Begründung) oder verwerfen. Nichts rutscht kommentarlos durch.
- Stage 3 — Refinement: Story für Story legt ihr die Akzeptanz-Kriterien fest — woran man erkennt, dass sie fertig ist. Die KI schlägt vor, ihr kuriert und ergänzt. Wollt ihr eine Story bewusst nicht verfeinern, markiert ihr sie so; sie kommt trotzdem durch, aber sichtbar.
- Stage 4 — Estimation: Jetzt wird geschätzt, und zwar als Gespräch statt Ansage: die KI nennt eine Zahl, ihr könnt mit eurer eigenen Zahl plus Begründung kontern, die KI antwortet darauf. Nach drei Runden ohne Einigung gilt „agree to disagree" — euer Wert zählt. Beide Zahlen bleiben gespeichert, damit ihr im Loomback seht, wo ihr und die KI auseinanderlagt.
- Stage 5 — Team-Kuration: Die Übersicht über alles, was ihr entschieden habt — und dann der eine echte Schreibmoment. Jetzt entstehen die Stories im Backlog, ein
casting-Beacon wandert ins Project Memory, die verwerteten Flocks werden abgehakt und der neue Cycle beginnt.
Weekly — der Puls dazwischen
Casting ist am Anfang, Showcase und Loomback sind am Ende. Dazwischen liegen zwei Wochen — und genau dort verlieren Teams erfahrungsgemäß den Faden. Das Weekly ist die Antwort darauf: einmal pro Woche beantwortet jede:r für sich drei Fragen — Was habe ich letzte Woche gemacht? Wo gab es Probleme? Was habe ich diese Woche vor? Daraus wird ein weekly-Beacon.
Zwei Dinge unterscheiden es von den anderen Ritualen. Erstens: es braucht keinen Termin. Jede:r schreibt es, wenn es passt — niemand muss auf die anderen warten. Zweitens: es hängt an der Kalenderwoche, nicht am Cycle. Es läuft einfach weiter, auch über Cycle-Grenzen hinweg. Ob ihr euch die Weeklies zusätzlich mündlich erzählt, ist eure Sache; geschrieben werden sie so oder so. Der Gewinn ist eine durchsuchbare Spur: wer wissen will, woran jemand vor drei Wochen hing, liest es nach, statt zu fragen.
Showcase — der Cycle-Ende-Demo-Termin
Im Tool führt euch ein Showcase-Durchlauf durch die Stories der Showcase-Lane: pro Story die Akzeptanz-Kriterien abhaken (✅/⏭️/❌), Reviewer-Verdikt setzen — beim Abschluss wandert die Story nach Woven (oder bei Fail zurück nach Spinning). Stakeholder schauen zu, geben Feedback. Drei Pfade entstehen dabei: neue Ideen werden Flocks (Eingang fürs nächste Casting), erkannte Risiken werden Beacons (Eingang fürs Loomback), Detail-Feedback wird Comments an die jeweilige Story.
Loomback — die Team-interne Reflexion
Nach dem Showcase trifft sich das Team intern. Zuerst zeigt LOOM eine Cycle-Overview (was lief, Member-Beiträge, die Beacons des Cycle). Dann erfasst ihr eure Diskussion in Stichzeilen — und die KI verdichtet eure Worte zu strukturierten Sektionen (Highlights, Reibungspunkte, Empfohlene Maßnahmen). Ihr kuriert, dann Commit als loomback-Beacon, der dauerhaft im Vault bleibt. Wichtig: die KI strukturiert eure Reflexion — sie rät sie nicht vor und ersetzt sie nicht.
Insight-Harvest — Lehren ernten und wiederverwenden
Im Loomback entdeckt das Team Lehren. Statt sie in der Cycle-Reflexion versinken zu lassen, erntet ihr sie mit einem Klick: jede Lehren-Zeile trägt einen „→ insight"-Einstieg, der einen eigenständigen insight-Beacon vorbefüllt (die KI verdichtet die Zeile in die Vorlage Realized / Why it matters / What we do differently). Der Insight verlinkt zurück auf seinen Loomback — so wird aus flüchtiger Reflexion wiederverwendbares Wissen, das beim nächsten Cycle und in der Defensio trägt.
Nach drei Cycles hast du etwas, das die meisten DAs nie hatten: eine vollständige Begründungs-Geschichte deines Projekts. Wenn dich der Coach fragt "warum habt ihr im März auf React gewechselt?", findest du die Antwort in 30 Sekunden — nicht in deinen Erinnerungen, sondern im Project Memory.
Wenn eine Story nicht weiter will — drei Stufen, dann Hard-Block.
Die Lautstärke-Anzeige (flüstert → spricht → ruft, je länger eine Story im Backlog/Spinning überdauert) ist im Board gebaut. Der Hard-Block (das „LOOM lässt dich nicht weiter") ist seit v0.9 gebaut: ruft eine Story, könnt ihr das Casting nicht abschließen, bis ihr sie behandelt habt — neu casten, bewusst parken oder cutten (mit Begründung).
Manchmal bleibt eine Story liegen. Sie startet im Backlog, kommt nicht ins Spinning. Oder sie geht ins Spinning, aber wird nicht fertig. Am Cycle-Ende ist sie immer noch da — und rollt automatisch in den nächsten Cycle. Das ist Sticky.
Sticky ist kein Versagen. Sticky ist ein Signal. LOOM macht es sichtbar in drei Stufen:
| Roll-Count | Stufe | Was du siehst | Was passiert |
|---|---|---|---|
| 0 | normal | Story wie jede andere | nichts |
| 1× | flüstert | dezenter Marker | "ich war schon mal hier" |
| 2× | spricht | Marker stärker, Pulse | "schaut mich an" — Loomback-Pflichtpunkt |
| 3× | ruft (+ Hard-Block ✓) | permanent sichtbar, animiert | Story muss jetzt bearbeitet werden — der Hard-Block sperrt den Casting-Abschluss, bis sie behandelt ist (seit v0.9) |
Drei Cycles sind 6-8 Wochen. Wenn eine Story so lange schwebt, ist sie außerhalb deines Scopes. Punkt. LOOM lässt dich das nächste Casting nicht abschließen, bis du entschieden hast: bearbeiten oder cutten. Das ist gewollt.
Der Eskalations-Ausweg: Cut → Flock → Re-Casting
Was tun, wenn die Idee gut war, aber die Story-Form nicht trägt? Du cuttest die Story und gibst die Essenz als neuen Flock zurück. Im nächsten Casting taucht die Idee dann frisch auf — ohne Roll-Count-Last, mit potentiell neuem Schnitt. Das geht so:
- Story-Essenz in 2-3 Sätzen als Flock formulieren
- Story auf
Cutsetzen mitcut_reason: staleund Verweis auf den neuen Flock - Im nächsten Casting ist die Idee wieder im Pool — frisch, neu zu schneiden
Damit ist das System nicht ideen-vergessend, aber auch nicht müll-schleppend. Die Story-Identität verfällt, der Inhalt überlebt im Project Memory.
Eine 3×-gerollte Story ist immer ein Symptom. Mögliche Diagnosen: zu groß (→ splitten), zu unklar (→ neu schneiden), zu unwichtig (→ Cut, Goals haben sich geändert), echt blockiert (→ Blocker-Beacon plus Cut). In jedem Fall ist "weitermachen wie bisher" keine Option mehr. Der Hard-Block zwingt zur Diagnose.
LOOM erzieht ohne zu stechen — bis es muss.
Wofür LOOM gebaut ist — die echten Use-Cases.
LOOM ist nicht für jedes Projekt gut. Aber für die folgenden Konstellationen wurde es gebaut, und dort spielt es seine Stärken aus:
Schul-DA-Teams (3-5 Member, ~9 Monate, eine bis zwei Phasen). Das ist das Kern-Szenario, dafür ist alles ausgelegt — Setup-Konzept, Casting-Workflow, Loomback-Ritual.
Selbst-organisierte Studierenden-Projekte mit KI-Co-Bauer. Wenn du oder du-und-eine-KI ein Projekt vorantreibst und einen strukturierten Reflexions-Anker brauchst — LOOM gibt dir den.
Lernintensive Forschungs-Projekte mit häufigen Stack-Änderungen. Beacon-System ist genau dafür gebaut: jede Änderung mit Begründung, dauerhaft im Project Memory.
Externe Kollaborationen mit Stakeholdern (Industrie-Partner, andere Schulen). Showcase-Ritual mit Drei-Pfad-Trennung (Flocks/Beacons/Comments) ist genau für solche Termine gemacht.
Was LOOM gut macht — drei Dinge
1. Begründungs-Geschichte. Du verlierst nie wieder die Antwort auf "warum haben wir das damals so entschieden?" — die Beacons sind da.
2. Niederschwellige Disziplin. Flock werfen ist 10 Sekunden. Casting ist KI-vorbereitet, Loomback ist KI-vorbereitet. Du machst weniger Doku-Arbeit, kriegst mehr Doku-Output.
3. Honest Reflection. Sticky Stories machen sichtbar, was du sonst übersiehst. Loomback macht die Reibung diskutierbar. Showcase trennt extern (Erfolge zeigen) von intern (Reibung diskutieren). Drei verschiedene Modi für drei verschiedene Audiences.
Pädagogisch ehrlich — diese Projekte brauchen etwas anderes.
LOOM ist gut darin, was es kann. Aber es kann nicht alles. Wenn dein Projekt einer der folgenden Typen ist, nutz besser ein anderes Werkzeug — oder zumindest LOOM nicht als Hauptachse.
Single-Person-Lerntagebücher. LOOM ist für Teams. Wenn du allein lernst, brauchst du keine Casting-Sessions, kein Loomback, kein Sticky-Tracking. Ein einfaches Markdown-Journal in Obsidian reicht völlig.
Operative Sysadmin-Aufgaben (Server-Maintenance, Backup-Schedules). Hier zählen Tickets-mit-SLA, nicht Stories-mit-Reflexion. Klassische Issue-Tracker (Jira, Forgejo Issues) sind besser.
Hochfrequente Marketing-/Content-Workflows. Wenn du täglich 5 Posts veröffentlichst, ist LOOM zu schwer. Trello oder Asana sind dafür gemacht.
Klassisch-zeitlich-feste Wasserfall-Projekte mit Festpreis. Wenn der Auftraggeber einen GANTT-Plan will und keine Iteration zulässt, ist LOOM nicht hilfreich. Microsoft Project oder ähnliche Tools sind hier passender.
Was LOOM nicht ersetzt
Auch innerhalb eines DA-Projekts ersetzt LOOM nicht alles:
- Code-Review-Plattform. Forgejo macht das. LOOM weiß von Forgejo, holt Stunden-Aggregate aus Commits, aber reviewed nicht selbst.
- Chat / Realtime-Kommunikation. Discord, Slack, oder das Schul-Tool. LOOM ist asynchron — Comments und Beacons sind keine Chats.
- Datei-Sync zwischen Geräten. Syncthing, Git, Nextcloud. LOOM ist vault-lokal, sync-frei.
- KI-Modell-Hosting. Ollama lokal oder API-Provider. LOOM ruft KI auf, betreibt sie nicht.
Diese Trennung ist gewollt: LOOM macht eine Sache richtig, statt zehn Dinge halb. Wenn du Sync brauchst, nimm Sync. Wenn du Chat brauchst, nimm Chat. LOOM ist die Reflexions-Schicht oben drauf.
Phase 0 war ohne LOOM — ab Phase 1 weben wir mit dem eigenen Werkzeug.
Das hier ist der Teil, der dir vielleicht komisch vorkommt, aber er ist wichtig. Du liest gerade ein Dokument, das aus 9 Konzept-Sessions, 200+ dokumentierten Entscheidungen und drei großen Markdown-Dateien (Vision, Architektur, Journal) hervorgeht — und das alles wurde ohne LOOM-Vault aufgebaut. Wir nennen das Phase 0: die Bootstrap-Phase, in der LOOM noch nicht als funktionierendes Werkzeug existiert. Phase-0-Items heißen bei uns deshalb bewusst Tickets, nicht Stories.
Aber: der Plan ist anders. Sobald das erste Casting läuft (Phase 1, Mai 2026), wechseln wir auf LOOM-Eigenanwendung. Wir werden mit den eigenen Artefakten und Ritualen arbeiten — Stories statt Tickets, Cycles statt loser Plan-Wochen, Casting statt Coach-Brainstorming, Showcase und Loomback als Cycle-Ende-Rituale, Beacons im Project Memory. So gut, wie es zu jedem Zeitpunkt sinnvoll ist. Wir sehen dann während der Entwicklung, was sich richtig anfühlt — und wo wir das Konzept noch nachschärfen müssen.
Dogfooding fängt nicht beim Werkzeug-Bau an, sondern wenn das Werkzeug benutzbar ist. In Phase 0 hätte LOOM mit LOOM zu bauen bedeutet: Casting-Skript schreiben in einer LOOM-Vault, in der das Casting-Skript noch nicht funktioniert. Das wäre Theater. Phase 0 ist ehrliche Vorbereitung: Konzept klären, Brand etablieren, Phase-1-Tickets schneiden. Ab Phase 1 zählt's.
Plus die Lücken, die wir gerade kennen:
Was LOOM heute noch nicht kann
- Native Mobile-App. Browser-UI funktioniert auf Tablet/Phone, aber es gibt keine eigene iOS/Android-App.
- Live-Token-Streaming. Wenn die KI antwortet, siehst du in V1 das Ergebnis erst am Ende. Streaming kommt in V2.
- Versions-Filter im Board. Du kannst die Roadmap-Versionen pflegen, aber nach Version filtern („zeig mir nur V2-Stories") geht noch nicht.
- Echte Mehrsprachigkeit. LOOMs Oberfläche ist durchgehend englisch, die Domain-Werte ebenso. Weitere Sprachen kommen später als Übersetzungsschicht — hardcodiert wird nichts.
Wenn du etwas davon brauchst, weißt du jetzt, dass wir es kennen. Wir bauen es, sobald V1 läuft und wir Erfahrung haben. Das ist nicht Ausrede, das ist Iteration.
Wie KI in LOOM passt — local-first, kontextgefüttert.
LOOM hat KI nicht als Gimmick, sondern als Co-Bauer in den Workflow eingebaut. Sie sitzt nicht an einer Stelle, sondern an jeder Station, an der du ohnehin arbeitest — und überall gilt dasselbe: sie schlägt vor, du entscheidest.
- Im Setup — meist deine erste Begegnung mit der KI, lange vor dem ersten Casting. Sie prüft, ob ein Projekt-Ziel konkret genug ist (SMART), gibt Rückmeldung zu einzelnen Feldern, während du sie ausfüllst, und schlägt bei den Good Practices Einträge vor, wenn euch nichts einfällt.
- Beim Casting — an vier der fünf Stages: sie gruppiert eure Flocks zu Themen (Stage 1), schlägt daraus Story-Kandidaten vor (Stage 2), formuliert Akzeptanz-Kriterien zur Auswahl (Stage 3) und bringt eine Schätzung ins Gespräch, der ihr widersprechen könnt (Stage 4).
- An der Story — den Comment-Strom verdichtest du per Klick zur Conversation-Sektion: die KI schlägt vor, du redigierst und speicherst.
- Bei den Beacons — sie bringt einen hingeworfenen Gedanken in die Form seines Typs (bei einer Entscheidung: Kontext, Optionen, Wahl, Folgen) und schlägt beim Loomback vor, woraus ein Beacon werden könnte.
- Im Weekly — sie stellt dir ein Gerüst für die drei Fragen hin, damit du vor keinem leeren Feld sitzt.
- Im Loomback — sie bereitet die Cycle-Übersicht auf und verdichtet eure Diskussions-Stichzeilen zu strukturierten Sektionen.
- In den Documents — „Draft with AI" entwirft die Prosa-Abschnitte deines Berichts aus dem echten Cycle-Material; mehr dazu in §11.
- In der Roadmap — sie schlägt aus den Cycles eines Zeitraums Features und einen schülersprachlichen Changelog-Text vor, den ihr dann kuriert.
Local-first ist das Motto
Default-Backend ist Ollama lokal auf localhost:11434. Empfohlenes Modell: gemma4:12b für Standard-Aufgaben (läuft lokal, ~16 GB RAM, auch ohne dedizierte Grafikkarte) — stärkere Modelle, wenn die Hardware es hergibt. Externe APIs (Claude, OpenAI, Gemini) sind opt-in über config.yaml. Damit bleibt LOOM datenschutz-freundlich für Schul-DA-Teams, die keine Daten zu Cloud-Diensten senden dürfen.
Transparent bleibt das Ganze über das Prompt Lab (eigene Ansicht): dort siehst du jeden KI-Prompt, den LOOM verwendet, kannst ihn ansehen, anpassen und testen (gerenderter Prompt mit Setup-Kontext + Roh-Antwort). Details im Prompt-Lab-HowTo.
Wenn du eine KI in LOOM nutzt — egal ob lokal oder über API — gib ihr immer den Setup-Auszug mit. Setup ist kuratierter Kontext: aktive Goals, aktiver Milestone, Stack-Highlights, Beacons der letzten 14 Tage. Mit dem Kontext werden die Antworten plötzlich projekt-spezifisch und brauchbar.
Plus: KI-Outputs werden im Frontmatter mit assistant: <modell-name> verewigt. Bei lokal: gemma4:12b. Bei API: claude-opus-4-8 oder mistral-small. Damit kannst du später nachvollziehen, welche Story-Conversation von welcher KI kam.
Was die KI nicht macht
LOOM hat klare Grenzen für KI-Eingriffe in V1:
- Keine autonome Story-Erstellung. KI schlägt vor, Team entscheidet — in jeder Stage. Geschrieben wird erst, wenn ihr in Stage 5 den Commit auslöst.
- Keine automatische Status-Änderung. Nur Menschen ziehen Cards zwischen Lanes.
- Keine direkte Beacon-Erstellung. KI schreibt keine Beacons selbst — Beacons werden von Setup-Edits oder manuell gezogen.
In V3 (Roadmap) ist eine Erweiterung geplant: KI als Team-Mitglied, mit eigenem Repo-Zugriff, kann Stories implementieren und im Showcase präsentieren. Aber das ist V3, nicht heute.
Deine Doku schreibt sich aus dem Project Memory — du kuratierst sie.
Der klassische DA-Schmerz: die Doku aus Woche 1 ist in Woche 12 eine Lüge auf Hochglanzpapier. LOOM dreht das um — in der Documents-View rendert das Tool fertige Dokumente direkt aus deinem Vault: Progress-Report für den Coach, Projektantrag, Stack-Übersicht. Jedes Dokument besteht aus zwei Schichten:
- Live-Blöcke wie
{{setup.goals}}oder{{beacons.decisions(5)}}werden bei jedem Export frisch aus dem Projekt-Stand gefüllt. Fakten veralten nie. - Kurations-Blöcke sind deine Erzählung: „Draft with AI" entwirft den Abschnitt aus dem echten Cycle-Material, du redigierst und frierst ihn mit deinem Namen ein (
curated · datum · du). Die KI schreibt nie selbst ins Dokument.
Der Progress-Report berichtet dabei über den letzten abgeschlossenen Cycle — ein Bericht an den Coach redet nicht über den halbfertigen.
Vorlagen gehören eurem Team
Die eingebauten Vorlagen sind der Start. Jede lässt sich im Tool bearbeiten (euer Stand landet als Override in templates/ — „Revert to default" holt das Original zurück), und mit „New template" baut ihr eigene Empfänger-Formate — leer oder als Kopie. Beim Tippen von { schlägt der Editor alle verfügbaren Blöcke vor, dasselbe Menü wie im Prompt Lab. Bis zu drei Dokumente pinnt ihr als Schnellzugriff-Karten oben fest.
Drei Ausgänge: Vorschau in der View · Export als datierter Markdown-Snapshot nach documents/ · Print / PDF über den Browser-Druckdialog — unterschriftsfertig für Betreuer oder Einreichung.
Euer Project Memory sammelt das ganze Jahr: Entscheidungen mit Begründung, Loombacks, Insights. Die Documents-View macht daraus auf Knopfdruck den Bericht — und weil die Fakten live sind und eure Prosa kuratiert, erzählt ihr in der Defensio aus einem Dokument, das stimmt.
Das ist deine Reihenfolge — Schritt für Schritt.
Wenn du am ersten Tag mit LOOM startest, ist hier deine Reihenfolge:
- Setup durchlaufen. Alle acht Dialoge. Plant 2-3 Stunden ein. Das ist die wichtigste Session — der Kontext, mit dem alles andere arbeitet.
- Erste Flocks werfen. Brainstormt im Team: was sind die ersten 10-15 Stories, die euch einfallen? Werft sie als Flocks. Nicht ausformulieren, einfach ⌘⇧F und zwei Sätze.
- Erstes Casting. Mit Coach-Anwesenheit. Die fünf Stages durchgehen, Story-Kandidaten kuratieren, Akzeptanz-Kriterien und Schätzung festlegen. Erstes Backlog ist gefüllt. Plant dafür Zeit ein — das erste Casting ist das längste.
- Erste Story spinning starten. Owner setzen, in
Spinningziehen, anfangen. - Beacons werfen, sobald sie auftauchen. Kommt eine Architektur-Entscheidung? Ein Stack-Wechsel? Ein Stakeholder-Telefonat? ⌘⇧B.
- Comments hinterlassen, wenn ihr auf etwas stoßt. Auf der Story-Detail-View. Nicht zu kurz, nicht zu lang.
- Erstes Showcase nach 1-2 Wochen. Stories aus
Showcase-Lane vorführen, durchsprechen, nachWoven. - Erstes Loomback direkt danach. Manuell als
loomback-Beacon. Was funktioniert? Was reibt? Welche Sticky Stories fallen auf?
Nach den ersten zwei Cycles wirst du merken: Setup ist nicht fertig. Goals haben sich verschoben. Subsystem-Abhängigkeiten sind klarer geworden. Das ist normal. Setup ist nie fertig — du editierst, jeder Edit ist ein Beacon, das Project Memory wächst.
Sei großzügig mit Flocks und Beacons. Lieber zu viele werfen als zu wenige. Du kannst sie im Casting/Loomback nachträglich verwerfen — aber was du nicht geworfen hast, kannst du nicht zurückholen.
Wenn dir LOOM gut zuhört, bekommst du drei Stimmen zurück.
In diesem Dokument hast du drei wiederkehrende Callouts gesehen. Sie sind nicht zufällig — sie sind die drei Modi, in denen LOOM mit dir arbeitet:
Konkrete Aktionen. Hotkeys, Klicks, Schritte. Wenn du nicht weißt, was als nächstes — schau hier.
Begründungen aus 23 Jahren DA-Praxis und acht analysierten alten Repos. Wenn du wissen willst, warum eine Mechanik so ist und nicht anders — schau hier.
Wie du KI strukturiert einsetzt. Was du der KI mitgeben musst, was du nicht erwarten darfst, wie das Frontmatter sich erinnert. Wenn du mit einer KI baust — schau hier.
Plus zwei Spezial-Stimmen für die schwierigen Stellen:
Pädagogische Ehrlichkeit. LOOM hat einige Stellen, an denen es bewusst unangenehm ist — Sticky-Hard-Block, Pflicht-Beacons bei Setup-Edits, Cut mit Pflicht-Begründung. Wir sagen dir vorher, wo es zwickt.
Was du am Ende davon hast. Begründungs-Geschichte. Audit-Trail. Reflexions-Disziplin. Wenn du wissen willst, warum sich der Aufwand lohnt — schau hier.
Der Webstuhl war der Anfang. Ihr macht den Stoff.
Im 18. Jahrhundert erfand der mechanische Webstuhl die Arbeit neu. Er fegte die monotone Handarbeit hinweg und ersetzte sie durch den Takt der Maschine. Aus Stunden wurden Minuten, aus einer Handvoll Stoff ein unaufhaltsamer Strom. Am Webstuhl wurde die Welt mechanisiert — und die industrielle Revolution entfesselt.
LOOM verspricht keine industrielle Revolution. LOOM ist ein pädagogisches / didaktisches Konzept für unerfahrene Teams. Wenn drei DA-Teams am SZU mit LOOM arbeiten und ihre Diplomarbeiten besser werden — strukturierter, reflektierter, mit einer Begründungs-Geschichte, die in 5 Jahren immer noch lesbar ist — dann hat LOOM seinen Zweck erfüllt.
Du bist Teil davon. Was du heute mit LOOM lernst, fließt in V1.1, V2, V3 ein. Deine Sticky-Stories werden zu Pattern. Deine Loomback-Reflexionen werden zu Trainingsmaterial für die nächste Generation. Deine Stories werden zu Stoff.
Stories, woven. Decisions, kept. Generation, geteacht.
Drei kurze Hilfe-Seiten holen dich ab — ohne Vorwissen: Die lokale KI (Ollama) einrichten →, Erste Schritte in LOOM (FAQ) → und Quick-Start: loslegen →. LOOMs KI-Helfer (z.B. der SMART-Check deiner Ziele) brauchen das Gratis-Programm Ollama; ohne läuft LOOM trotzdem. Was sich von Version zu Version ändert, steht in Was ist neu.
Konzept: Thomas Gürth (HTL Schulzentrum Ungargasse Wien) · Co-Bauer: Claude Opus 4.7